|




 |
Die "Märchenkönigin" aus dem
Schongau erklärte den Kindern zu Beginn, wie sie Märchenerzählerin
wurde. Mit 12 Jahren begann sie bereits, eigene
Geschichten und Märchen zu schreiben. Diese wurden auch
bald in der Zeitung veröffentlicht und so verdiente sie
ihr erstes Geld damit. Heute erzählt sie in
Schulen und Kindergärten nur selbst verfasste
Märchen, die sie mittlerweile in einem Buch
gesammelt hat. In den beiden ersten
Unterrichtsstunden hatte sie daraus für die 1.
Klassen ein Hexenmärchen ausgewählt und mit den
Schülern als Bild nachgestaltet.
Nach der Pause
waren die Klassen 2a und 2b zur Märchenstunde
eingeladen. Für sie hatte Frau Kaiser das
Märchen "Ritter Rollo und der Drache"
ausgewählt, mit dem die Erzählerin die jungen
Zuhörer in ihren Bann zog. Mit ihrem lustigen und
spannenden Vortrag, anfangs ausgeschmückt durch
einige mitgebrachte Bilder fiel allen die
gedankliche Reise zurück ins tiefe Mittelalter
nicht schwer. Dass dabei das große Plakat noch
ziemlich weiß und leer war, hatte seinen Grund.
Alle Kinder hatten nämlich schon Buntstifte und
Schere mitgebracht. Im Anschluss an die Erzählung
wurde gemeinsam das große Blatt an der Tafel
fantasievoll mit allen Einzelheiten zu einem
Märchenposter ausgestaltet. Und dabei gab es sogar
einen kleinen Preis zu gewinnen, vorausgesetzt ein
Schüler traf genau mit seinem Bildchen eine
bestimmte, aber vorher geheim gehaltene,
Darstellung aus dem Märchen. Das gelang
schließlich sogar einem Jungen, dem Daniel, der
für seinen Erfolg Applaus erntete.

Der Inhalt des Märchens:
Ritter Rollo (= Kosename von Rolf) lebte auf einer
stattlichen Ritterburg, auf der die Burgherrin
Kunigunde das Sagen hatte. Am Hofe wurden viele
rauschende Feste gefeiert. Eines Tages kam das
Ritterfräulein Kunigunde zu Besuch. Rollo
verliebte sich auf Anhieb in sie und so feierten
beide bald Hochzeit. Nach einem Jahr wurde ihnen
ein Sohn geschenkt, den sie selbstverständlich
nach dem Vater Rollöchen, also kleiner Rollo,
benannten. Als zukünftiger Ritter war dessen
Lieblingsspruch bereits mit 4 Jahren: "Wenn ich
einmal groß bin, will ich ein Held sein." Wenige
Jahre später sollte sich sein Wunsch auch
erfüllen. Er traf in den Bergen auf einen Drachen,
der einen üblen Mundgeruch hatte und darunter sehr
litt. Rollöchen machte sich Gedanken, wie er dem
armen Tier helfen konnte. Er probierte, mixte und
glaubte, ein
geeignetes Gegenmittel aus 20 Zwiebeln und 30
Knoblauchknollen gefunden zu haben: Den
Drachenrachenputzsaft, den er in Flaschen abfüllte. Damit
marschierte er alleine zum Felsen, hinter dem der
Drachen wohnte und rief nach
ihm. Dieser nahm die Hilfe Rollöchens
freudig an. Aber erst nach der dritten Flasche
überdeckte der Drachenputzersaft den
fürchterlichen Mundgeruch. Von nun an schlossen
beide Freundschaft, aber niemand auf der Burg
glaubte dem Rollöchen die Heldentat.- Mit der Zeit wurde der
Drache immer trauriger, weil er seinem
ritterlichen Helfer kein Geschenk zu bieten hatte.
Rollöchen aber entwickelte sich mit den Jahren wie
sein Vater zu einem prächtigen Ritter Rollo, der
am Hofe jedes Ritterturnier gewann. Am schönsten
daran war, dass ihm danach die Ritterfräulein rote
Rosen zuwarfen. Und diese Rosen stammten vom
Drachen...
"Und durch die Burg huschte eine Maus und das
Märchen ist aus."
|