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Schülergruppe
aus dem Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte Nürnberg
zusammen im Sachunterricht der Klassen 3c und 4b
Bereits
im Vorjahr begegneten sich die Klasse 4b aus Fuchsmühl
und die Sehbehinderten aus Nürnberg zufällig während
einer Schülervorstellung auf der Luisenburg. Doch dabei
sollte es nicht bleiben. Klassenlehrer Helmut Höcht lud
spontan den von früher bekannten Kollegen Anton Bachl
mit seinen Schützlingen zu einem gemeinsamen Unterricht
nach Fuchsmühl ein. Sinn und Zweck des Besuches sollte
ausgehend vom Sachunterrichtsthema „Auge“ sein, dass
die gesunden Schüler klare Vorstellungen vom
schwierigen Lernen Sehbehinderter gewinnen, sich
gegenseitig näher kennen lernen und miteinander umgehen
können.

Die
sehbehinderten Gäste treffen am 24.02.03 zur Pause ein.
Als am Montagmorgen der Kleinbus aus Nürnberg zu Beginn
der großen Pause im Schulhof eintraf, waren die
jugendlichen Gäste im Nu von einer neugierig fragenden
Schülerschar umringt. Ohne ihre auffälligen gelb-
schwarzen Armbinden wären die Fremden kaum von
Einheimischen zu unterscheiden gewesen. Ungewohnt wie
der Besuch war auch das Verhalten auf dem Pausenhof:
Kaum ein Kind lief oder schubste -
aus ganz natürlicher Rücksichtnahme anstelle
Verbot.
Nach
der Pause ging es im Klassenzimmer der 4b zur Sache.
Alle rückten zusammen, denn die Klasse 3c mit Lehrerin
Frau Vollath wollte auch das von ihnen kürzlich
behandelte Thema „Auge“ vertiefen und die zwei bevor
stehenden Unterrichtsstunden miterleben. Die Zeit war
knapp; denn die Besucher mussten spätestens um 13.30
Uhr zum Mittagessen im angeschlossenen Internat des
Blindenzentrums wieder zu Hause sein.
Mit
humorvoller, lockerer Art sorgte der Blindenpädagoge
Bachl gleich zu Beginn für eine gelöste Atmosphäre,
wie er sich den sehenden Kindern in Blindenschrift
vorstellte und verwundert fragte: „Was ihr könnt
nicht lesen?“ Mit den mitgebrachten Braille-
Alphabetstafeln konnte jedoch jeder das Rätsel lösen.
Alle lauschten gespannt, als Nathalie, Leon, Markus,
Sascha und Tobias von sich, von ihren Hobbys und von
ihrer Schule erzählten. Anstelle von Fernsehen und
Computer schwärmte Nathalie geradezu von den Bayern 3 Hörfunksendungen
und von Büchern, die sie vor allem an den Wochenenden
im Internat genießt.
Dann
erklärte Herr Bachl ausführlich das wichtigste
Werkzeug für Blinde, von denen er neben anderen
Materialien wie Rechengerät und Blindenstock, 5
Exemplare mitgebracht hatte: Die Blindenschreibmaschine.
Da staunten die Zuhörer nicht schlecht, dass
Sehbehinderte alle Buchstaben und Zahlen mit nur 9
Tasten in Punktform auf ein etwas dickeres Papier
schreiben, oder besser gesagt einhämmern können.
Das bewiesen auch gleich Nathalie und Sascha in
einem kurzen Diktat ihres Lehrers, das sie anschließend
mit den Fingern vom Blatt abtastend fließend ablasen.
Dass man zu dieser Form des Schreibens viel Kraft und
Geschick in den linken und rechten 3 Mittelfingern
braucht, davon konnten sich die Grundschüler in späteren
Versuchen selbst überzeugen. Dagegen war das
zeichnerische Lösen von Aufgaben auf einem
mitgebrachten Arbeitsblatt noch leicht.
Dann
aber kam der Höhepunkt; Herr Bachl forderte die
Grundschüler zu einem Wettschreiben mit Nathalie
heraus: Lateinische Schreibschrift gegen Blindenschrift.
Und wider Erwarten hatte die geübte Nathalie auf ihrer
Schreibmaschine die Nase vorn. Nun gab es natürlich
kein Halten mehr. Alle durften und wollten selbst auf
einer Blindenschreibmaschine schreiben. Die Ergebnisse
wurden jedem von Nathalie und Sascha, den Bachl
liebevoll „Hilfslehrer“ nennt, mitgeteilt.
Nach
dieser etwas turbulenten Arbeitsphase wurde es nicht
weniger interessant. Denn die Schüler hatten viele
Fragen an ihre Gäste vorbereitet, die diese offen und
ausführlich beantworteten, z. B.: Wie kann ein Blinder
Klavier spielen, wie kochen, wie schwimmen? Auf die
Frage nach dem Straßenbahnfahren verblüffte Sascha mit
dem Aufsagen aller Stationen der längsten Nürnberger
Linie. Einmal im Mobiltraining ausprobiert, kann er so
selbständig fahren und nach Ansage richtig aussteigen.
Schmunzeln
musste viele wegen der Übereinstimmung, als auf die
Frage „ Was regt dich am meisten auf?“ kam: „Meine
Schwester und der Song von ...“ Dass Blinde zum
Ausgleich viel stärker über Ohren und Nase wahrnehmen
gegenüber Sehenden, belegte Herr Bachl mit einer
Anekdote und einer Demonstration. Diese erriechen ihren
Lehrer schon mal am Knoblauchgeruch im Zimmer oder
erkennen ihn an seinem Gang.
Bei der Frage nach dem Aussehen seines Lehrers,
war dieser mit der Antwort von Sascha: „Der netteste
Lehrer der Blindenschule“ nicht zufrieden. Herr Bachl
nahm dessen Hand und führte sie zum Kinn. Nun war für
den Sehbehinderten alles klar: „Bart, Brille und ´ne
große Wampe“. Als Belohnung gab es schallendes Gelächter
und danach eine Flasche Limo, die sich der Junge vor den
gespannten Blicken der Grundschüler geschickt ins Glas
einschenkte, ohne einen Tropfen zu vergießen.
Dass
Lehrer und Schüler an der Blindenschule so ein inniges
Verhältnis zueinander haben, liegt auch daran, dass sie
sich teilweise schon seit der Frühförderung aus den
ersten Kinderjahren kennen, erklärte Lehrer Bachl.
Gerade die frühe Erkennung und Förderung einer
Sehbehinderung trage entscheidend für eine erfolgreiche
Entwicklung und Lebensbewältigung des Kindes bei,
betonte er weiter. Eltern sollten sich deshalb im
Bedarfsfalle an die Frühförderung für blinde und
sehbehinderte Kinder Regensburg
Weißenburgstr. 10, 93055 Regensburg, Telefon
0941-793452 wenden. Näheres dazu gibt es auch auf der
Homepage der Blindenanstalt unter www.blindenanstalt-nuernberg.de.
Die
zwei abwechslungs- und aufschlussreichen
Unterrichtsstunden gingen viel zu schnell vorüber, in
denen voneinander gelernt und miteinander gelacht wurde
und so verlief der Abschied auch ziemlich rührend.
Beide Seiten waren sich einig, dass man in Kontakt
bleibt, der als Nächstes in Form eines Hörbriefes an
die Sehbehindertengruppe auf Kassette erfolgt.
 
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